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First internship at Quicksilver

Stephen Whiteley 19-mar-09, 12:47 Take part

Praktikumsbericht August 2008 

Alles anders als erwartet!
Theorie trifft Praxis !

„Nimm an, was nützlich ist. Lass weg, was unnütz ist. Und füge das hinzu, was dein Eigenes ist.“ (Bruce Lee)

Meine Bewerbung wurde mit einer sehr kurzen Stellungnahme beantwortet: „ Ja, Sie können am 4. August 2008 anfangen. Unser Büro befindet sich in Sant Cugat de Valles. Anbei der Stadtplan.

Überglücklich plante ich meinen ersten Tag:

Meine Fragen zur gewünschten Anfangsuhrzeit und zum Dresscode wurden ähnlich zurückhaltend beantwortet.  Ich spürte aus den Antworten, dass diese Fragen anscheinend nicht wichtig waren, konnte dies aber kaum glauben. Als Berufsanfänger muss man doch Fragen stellen dürfen. Wie sollte  ich mich verhalten, um mich nicht gleich am 1. Tag  unbeliebt zu machen?

Was die Anfangsuhrzeit des 1. Tages anging, entschied ich mich nach deutschen Richtlinien für  9 Uhr und einem neutralen Outfit in schwarz- weiß.

So vorbereitet startete ich, versehen mit Essen und Trinken, denn wie, wo und wann Pausen üblich waren, wusste ich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht, am 4.8. mein 4-wöchiges Praktikum bei Quicksilver Translation in Sant Cugat de Valles in der Nähe von Barcelona.

Die Begrüßung durch den Chef, Herrn Colin Whiteley, war sehr freundlich. Meine anfängliche  Aufregung legte sich schon nach wenigen Minuten und ich fühlte mich bald heimisch.

Den morgendlichen Beginn mit einer ständig gleichen Uhrzeit zu belegen, stellte sich als unwichtig heraus. Ich war an diesem 1. Tag der 1. Mitarbeiter. Alle anderen kamen später.

Der Dresscode war ebenfalls unwichtig. Ich lernte schnell, dass die Kleidung  unter Beachtung der Augusttemperaturen in Barcelona und unter Berücksichtigung, dass es keine Klimaanlage im Büro gab, gewählt werden sollte.

Auch meine phantasievollen Überlegungen zur Größe, Ausstattung des Büros, zu technischen Geräten etc. waren überflüssig gewesen. Papier wurde vermieden und der Laptop dafür umso mehr beansprucht.

Das Unternehmensprinzip erforderte ganz andere Sichtweisen.

In Bezug auf die Mitarbeiter glaubte ich 4 langweilige Wochen mit Sprachfreaks vor mir zu haben. Mitarbeiter, die nicht nur 5-sprachig aufgezogen wurden, sondern in ihrem Leben in verschiedenen Ländern gelebt und gearbeitet haben.

Ich sah schon ihre mitleidvollen Blicke auf mir ruhen: „ Das ist das Mädel aus Deutschland. Hat Probleme mit ihrer 3. Sprache!“

Ich stellte mir eine Arbeitsatmosphäre vor, in der jeder mit Hilfe eines Wörterbuches oder aus seinem Wissen Wort für Wort die vorgegebenen Texte übersetzt.

Ein Ort der individuellen Arbeit. Man trifft sich hin und wieder auf dem Weg zur Kaffeemaschine oder dem Kopierer, wechselt kurz ein paar Worte, beschränkt sich dabei aber auf das Nötigste, um nicht zu sehr mit den Gedanken von der Arbeit abgelenkt zu werden.

Auch hier wurde ich eines Besseren belehrt!

Das Unternehmensprinzip von Quicksilver ist das Erstellen von qualitativ hochwertigen Lösungen zu Übersetzungsproblemen. Es bietet weitere Serviceangebote im Bereich des Dokumentenmanagements und Desktop-Publishing. Im Gegensatz zu Übersetzungsmaschinen online, passen sich die Ausführungen an stilistische Grundsätze und themenspezifisches Vokabular an. Jeder Firma besitzt ein eigenes „Wörterbuch“ um die Genauigkeit zwischen verschiedenen Dokumenten zu gewährleisten. Für mich persönlich war dies am Anfang eine große Hilfe um atypisches Vokabular zu finden. Die Suchhilfe war oft meine Rettung.

Die Mitarbeiter des Büros werden nur gelegentlich als Übersetzer eingesetzt. Die Hauptaufgabe besteht aus dem Organisieren und Strukturieren der Projekte. Die Übersetzungsarbeit wird von Freien Mitarbeitern geleistet. Der Projekt Manager ist für die Suche der Frei-Übersetzer verantwortlich sowie dem Korrekturlesen und dem Einhalten der Termine. Durch den Einsatz von freien Mitarbeitern können alle Aufträge spontan, flexibel erledigt und somit Kosten gespart werden. Außerdem greift man auf spezialisierte Muttersprachler zurück, anstatt mittelmäßige Alleskönner einzustellen.

Somit gab es zwar eine Menge an Mitarbeitern, aber im Büro selbst, waren oft nur die beiden Chefs und ich.

Das Prinzip des home office, d.h. die Mitarbeiter können von zu Hause aus arbeiten und kommen aus diesem Grunde nur 1-2 Mal pro Woche in die Firma, klappte erstaunlich gut.

Montags war „get together“-Tag. Alle verfügbaren Mitarbeiter gingen zusammen essen. Es wurden Neuigkeiten ausgetauscht und in gemütlicher Runde sowohl Projekte als auch private Themen besprochen. Diese Montage fand ich immer am Besten. Ich lernte alle Leute näher kennen und konnte auch auf einer privaten Ebene kommunizieren. Nach 4 Wochen hatte ich alle Mitarbeiter kennen gelernt. Dabei nahmen sie mich freundlich auf (Danke an Daniel, Mireja, Laura und Dan).

Erstaunlich war, dass Fragen erlaubt, ja sogar gewünscht  waren. Auch in diesem Bereich musste ich mich umstellen. Meine anfängliche Zurückhaltung (nervige Praktikantin) konnte ich befreiend ablegen. Ich lernte, dass Fragen kein  Zeichen von Schwäche, von Unwissen oder Unsicherheit ist. Es gilt die Regel: Übersetzungen basieren auf Wissen, nicht auf Bauchgefühl. Ich fand eine Lösung, um nicht im Minutentakt Fragen stellen zu müssen, aber trotzdem in meiner Arbeit voran zu kommen. Bis zu einen gewissen Punkt sammelte ich die Fragen zu sprachlichen, stilistischen Vokabeln und gab sie an Colin weiter. Es war erstaunlich, dass ich ruhige ausführliche Antworten bekam. Ich fand mich nervig, aber   Colin anscheinend nicht. Mit diesen neuen Erfahrungen verlor sich meine anfängliche Unsicherheit.

Ich hatte in den 4 Wochen Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche. Als deutsch sprechende Praktikantin kam es gelegen, Kunden  in Deutschland anzurufen, um mich nach unbezahlten Rechnungen zu erkundigen oder Vokabelpräferenzen zu erfragen. Mehrere kleinere Projekte für deutsch-englische Dokumente durfte ich eigenverantwortlich übernehmen. Dazu stand ich in Kontakt mit den freien Mitarbeitern und kontrollierte die deutschen Übersetzungen, um am Ende das fertige und korrigierte Dokument an den Klienten zu verschicken. Nach der „Pflichtlektüre“: Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod versuchte ich mich als kreativer Schreiber  und formulierte einen Text für den Quicksilver Blog.

Ein ganz besonderes Erlebnis hatte ich gleich in der ersten Woche. Ein Muttersprachler in Deutsch wurde gesucht, um mehrere Texte in einem Audio-Format aufzunehmen. Einer  großen Autofirma lieh ich  meine Stimme und las Texte über Island und Umgebung vor.

Resümee dieser 4 Wochen:

Das Kernprinzip dieser Firma beruht auf Vertrauen, Offenheit, Qualität und Freiheit. Es herrscht ein sehr angenehmes Betriebsklima. Dadurch macht die Arbeit Spaß, obwohl sie oft mit langen Arbeitszeiten verbunden ist. Wichtig ist für die Chefs, die Identifikation mit den gestellten Aufgaben. Überstundenausgleiche kann jeder für sich regeln. Hauptsache: die terminlichen und qualitativen Forderungen der Kunden werden erfüllt.

Hinter Quicksilver Translation  steckt mehr als nur „Wort zu Wort Übersetzungen“ und sogar mehr als nur eindimensionales Denken. Ich habe gelernt, im Team eigenverantwortlich zu arbeiten, und Schwerpunkte richtig zu setzen. Zusätzlich erfuhr mein amerikanisches Englisch eine Aufbesserung (Danke Colin).

Ich habe viel geschichtliches Wissen über Sprachen, grammatikalische Feinheiten und hilfreiche Anekdoten über wirtschaftliche Realitäten mitgenommen (Danke Stephen).

Meine anfängliche Skepsis, ob mir dieses Praktikum viel Sinnvolles bringen würde, wich der Überzeugung, dass es ein voller Erfolg war.

Ich hoffe, dass ich nach Abschluss meines Studiums einen Job finde, der flexibel Arbeit und Freizeit kombinieren lässt.

Eine Reise in die versteckte Welt der Übersetzungen, die Welt von Quicksilver Translation ging nach 4 Wochen  zu Ende.....…

Vielen Dank  für Alles
Muchas gracias
Eure Sandra